Erkennt man bald, dass unsere Texte aus ChatGPT stammen?

Teilweise. OpenAI versieht Texte aus ChatGPT in der EU in den kommenden Wochen mit einem unsichtbaren Wasserzeichen. Auslesen können es vorerst nur zugelassene Forscher, und schon wenige ausgetauschte Wörter schwächen es deutlich. Für einen Betrieb bleibt deshalb die eigentliche Frage dieselbe: Wer hat geprüft, was unter seinem Namen erscheint?
Am 5. Oktober hat OpenAI mitgeteilt, wie es die Kennzeichnungspflicht der europäischen KI-Verordnung für Text umsetzt. In den kommenden Wochen bekommen Texte, die ChatGPT und das Programmierwerkzeug Codex in der Europäischen Union erzeugen, ein unsichtbares Wasserzeichen, in allen Tarifen. Außerhalb der EU bleibt es vorerst aus. Wer die Modelle über die Programmierschnittstelle nutzt, kann es weltweit freiwillig einschalten. heise hat am 6. Oktober berichtet, Search Engine Journal am 5. Oktober.
Wie funktioniert das Zeichen?
Das Verfahren heißt textGrain. Es verschiebt die Wortwahl des Modells statistisch so, dass ein Prüfprogramm das Muster wiederfindet. Beim Lesen merkt niemand etwas. Das Prüfprogramm bekommen zunächst nur zugelassene Forscher und Fachorganisationen auf Antrag.
OpenAI nennt die Grenzen selbst. Bei einer angestrebten Fehlalarmquote von einem Prozent fand der Detektor das Zeichen in etwa 80 Prozent der kurzen Textabschnitte und in etwa 95 Prozent der doppelt so langen. Wer jedes zehnte Wort durch ein Synonym ersetzt, senkt die Trefferquote von etwa 92 auf 66 Prozent, bei jedem vierten Wort auf 17 Prozent.
Was sagt das Zeichen nicht?
Hier liegt der eigentliche Punkt, und OpenAI schreibt ihn selbst hin. Ein Wasserzeichen sagt nicht, ob ein Text stimmt. Es sagt nicht, wie viel ein Mensch daran gearbeitet hat und wer für ihn verantwortlich ist. Und wo kein Zeichen gefunden wird, hat deshalb noch lange kein Mensch geschrieben.
Die KI-Verordnung verlangt in Artikel 50 von den Anbietern, dass erzeugter Text maschinenlesbar erkennbar ist. Für den, der einen solchen Text veröffentlicht, sieht derselbe Artikel eine Offenlegung vor, wenn der Text die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informiert, außer ein Mensch hat ihn redaktionell geprüft und jemand trägt die Verantwortung. Ob das Ihre Texte betrifft, ist eine Frage an Ihren Anwalt.
Und bei Bildern?
Für Bilder, Videos und Tonaufnahmen gibt es seit dem 7. Oktober einen Prüfer für jedermann. Google hat seinen SynthID Detector weltweit freigegeben, vorerst auf Englisch. Er erkennt Dateien, die mit KI von Google oder Partnern wie OpenAI erzeugt oder bearbeitet wurden. Nötig ist ein Konto bei Google, Apple oder ChatGPT, berichtet heise. Wer ein KI-Bild als Foto aus dem eigenen Betrieb zeigt, muss also damit rechnen, dass ein Kunde nachsieht.
Was daraus folgt
Verordnung und Google laufen auf dasselbe hinaus: einen Menschen, der jede Angabe geprüft hat und dafür einsteht. Was Google dazu am 1. Oktober festgeschrieben hat, steht in Dürfen wir die Texte für unsere Webseite von einer KI schreiben lassen?. Und weil ChatGPT die Seiten der Unternehmen zuletzt häufiger als Quelle nennt, siehe Lohnt sich die eigene Webseite noch, wenn die Kunden ChatGPT fragen?, wird eine ungeprüfte Angabe womöglich weitererzählt.
Eine halbe Stunde mit zwei Spalten
Schreiben Sie auf, welche Texte in Ihrem Betrieb in den letzten drei Monaten mit ChatGPT entstanden sind: Leistungsseiten, Angebote, Newsletter, Antworten an Kunden. Daneben zwei Spalten: wer den Text erzeugt hat und wer ihn vor dem Versand gelesen hat. Wo die zweite Spalte leer bleibt oder zweimal derselbe Name steht, hat niemand geprüft. Diese Zeilen sind Ihre Arbeitsliste, ganz gleich, ob je ein Prüfprogramm darauf schaut.
Wo OctoPages hilft
Bei OctoPages entstehen die Texte aus Ihren eigenen Angaben im Formular, nicht aus Vermutungen, und jede Seite wird vor der Freigabe geprüft. Sie lesen den Entwurf, bevor er erscheint. Unter Ihrem Namen steht dann ein Text, den Sie kennen.
Häufige Fragen
Was ändert OpenAI an Texten aus ChatGPT in der EU?
OpenAI hat am 5. Oktober 2026 angekündigt, Texte aus ChatGPT und Codex in der Europäischen Union in den kommenden Wochen mit einem unsichtbaren Wasserzeichen namens textGrain zu versehen, in allen Tarifen. Außerhalb der EU geschieht das vorerst nicht.
Kann ich selbst prüfen, ob ein Text das Wasserzeichen trägt?
Nein. Das Prüfprogramm erhalten zunächst nur zugelassene Forscher und Fachorganisationen auf Antrag. OpenAI begründet das mit Fehlalarmen und übersehenen Zeichen und will den Zugang erst erweitern, wenn sich die Ergebnisse verlässlich deuten lassen.
Wie zuverlässig erkennt das Verfahren KI-Texte?
Nach OpenAI fand der Detektor bei einem Prozent Fehlalarmen das Zeichen in etwa 80 Prozent kurzer und etwa 95 Prozent längerer Textabschnitte. Wird jedes zehnte Wort durch ein Synonym ersetzt, fällt die Quote von etwa 92 auf 66 Prozent, bei jedem vierten Wort auf 17 Prozent.
Sagt das Wasserzeichen etwas über die Richtigkeit eines Textes?
Nein. OpenAI schreibt selbst, dass ein Wasserzeichen weder die Richtigkeit noch den menschlichen Anteil, die Rechte oder die Verantwortung für einen Text zeigt. Fehlt das Zeichen, ist das auch kein Beleg dafür, dass ein Mensch geschrieben hat.
Was sollte ein Betrieb jetzt tun, der Texte mit ChatGPT schreibt?
Eine Liste der Texte der letzten drei Monate anlegen, die mit ChatGPT entstanden sind, und neben jeden notieren, wer ihn erzeugt und wer ihn vor dem Versand gelesen hat. Wo niemand geprüft hat, wird nachgeprüft. Ob eine Kennzeichnung nötig ist, klärt der Anwalt.


