Können wir unsere Kundenliste für Werbung in ChatGPT nutzen?

In Deutschland vorerst nicht. OpenAI nimmt inzwischen Kundenlisten mit E-Mail-Adressen und Telefonnummern an, rät für Kampagnen im Europäischen Wirtschaftsraum aber ausdrücklich davon ab, solange personalisierte Werbung dort nicht verfügbar ist. Für eine eigene Zielgruppe braucht es außerdem 25.000 erkannte Nutzer. Was Sie bis dahin klären, kostet eine Stunde.
Am 28. September hat LiveRamp, ein Dienstleister für Kundendaten in der Werbung, mitgeteilt, dass Werbetreibende ihre Kundendaten über seine Kennung jetzt auch in ChatGPT nutzen können: aus der Kundendatei, aus Kundenkarten, von der Webseite. Zunächst in elf Märkten, welche, sagt die Mitteilung nicht. Search Engine Journal hat am 1. Oktober darüber berichtet. Das ist der Anlass. Die eigentliche Auskunft steht bei OpenAI selbst.
Was OpenAI erlaubt
Nach der Hilfeseite zu eigenen Zielgruppen lädt ein Werbetreibender eine Liste mit E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder deren gehashten, also unkenntlich gemachten Werten hoch. Damit kann er dreierlei tun: die Anzeige nur diesen Menschen zeigen, sie gerade diesen Menschen nicht zeigen, oder für sie mehr oder weniger bieten. Die hochgeladene Datei wird nach der Verarbeitung gelöscht, meist innerhalb von 24 Stunden.
Zwei Sätze auf derselben Seite entscheiden für einen deutschen Betrieb alles. Erstens: Zielgruppe und Gebotsaufschlag brauchen mindestens 25.000 erkannte Nutzer, empfohlen sind 100.000. Erkannt wird nur, wer ChatGPT mit derselben Adresse nutzt, die bei Ihnen steht. Zweitens: Für Kampagnen im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz soll man auf eigene Zielgruppen verzichten, solange personalisierte Werbung dort nicht verfügbar ist.
Was das für Sie heißt
Die Werbung selbst läuft in Deutschland seit dem 24. August, wie in Soll ich jetzt in ChatGPT werben? beschrieben. Ausgewählt wird nach dem laufenden Gespräch, nicht nach Ihrer Kundenliste. Ein Betrieb mit einigen tausend Kunden käme an die 25.000 ohnehin nicht heran. Für ihn wäre nur der Ausschluss interessant: keine Klicks bezahlen von Leuten, die längst bei ihm kaufen. Auch das fällt in Europa vorerst unter den Hinweis.
Die ehrliche Antwort lautet also: abwarten. Sie merken, dass es so weit ist, wenn der Hinweis zum Europäischen Wirtschaftsraum von dieser Hilfeseite verschwindet oder OpenAI personalisierte Werbung hier ankündigt.
Eine Stunde, bevor die Liste gebraucht wird
Ziehen Sie aus Ihrer Kundendatei alle Kontakte mit E-Mail-Adresse. Zählen Sie, bei wie vielen Sie nachweisen können, woher die Adresse stammt und wozu der Kunde zugestimmt hat. Was eine belegbare Zustimmung ausmacht, steht in Die Einwilligung, die keine ist. Ob eine solche Liste überhaupt an eine Werbeplattform darf, klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten, bevor jemand auf Hochladen drückt.
Meist ist die zweite Zahl deutlich kleiner als die erste. Sie entscheidet später, was Sie hochladen könnten. Ob eine Anzeige zu einem Auftrag geführt hat, zeigt dagegen erst die Verbindung von Kampagne und Kontakt, wie in Ads und Performance in Octoserv.
Häufige Fragen
Kann ich in ChatGPT-Werbung eine eigene Kundenliste verwenden?
Technisch ja. OpenAI nimmt Listen mit E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder deren gehashten, also unkenntlich gemachten Werten an. Für Kampagnen im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz rät OpenAI aber davon ab, solange personalisierte Werbung dort nicht verfügbar ist.
Wie groß muss eine Kundenliste für ChatGPT-Werbung sein?
Eine Zielgruppe für die Auslieferung oder für Gebotsaufschläge braucht laut OpenAI mindestens 25.000 erkannte Nutzer, empfohlen sind 100.000. Zum Ausschließen von Personen gilt keine Mindestgröße.
Was hat LiveRamp am 28. September angekündigt?
LiveRamp ist Technologiepartner für Werbung in ChatGPT geworden. Werbetreibende können Kundendaten über die LiveRamp-Kennung als eigene Zielgruppen nutzen, zunächst in elf Märkten, die LiveRamp nicht benennt.
Was passiert mit der hochgeladenen Datei?
Nach Angabe von OpenAI wird die hochgeladene Datei nach der Verarbeitung gelöscht, in der Regel spätestens 24 Stunden nach dem Hochladen. Einzelne erkannte Personen zeigt der Anzeigenmanager nicht an.
Woran merke ich, dass Kundenlisten in Deutschland nutzbar werden?
Daran, dass OpenAI den Hinweis zum Europäischen Wirtschaftsraum auf seiner Hilfeseite zu eigenen Zielgruppen streicht oder personalisierte Werbung für Europa ankündigt. Bis dahin wählt ChatGPT Anzeigen nach dem laufenden Gespräch aus.


