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Soll ich jetzt in ChatGPT werben?

Veröffentlicht · Stand · von Alvaro Moreno

Zwei Kolleginnen und Kollegen sehen sich gemeinsam etwas Neues am Laptop an, einer sitzt, einer steht daneben

Seit dem 24. August läuft Werbung in ChatGPT auch in Deutschland, seit dem 1. September können Sie selbst buchen. Ob sich das für Sie lohnt, hängt weniger an der Anzeige als an einer Frage aus Ihrem eigenen Haus: Steht an einem Auftrag vier Monate später noch dran, woher die Anfrage kam?

Seit dem 24. August 2026 zeigt ChatGPT auch in Deutschland Werbung, zusammen mit dreißig weiteren europäischen Märkten. Die Eckdaten dazu hat HORIZONT am Starttag zusammengefasst. Seit dem 1. September können Sie selbst buchen, ohne den Umweg über eine Agentur oder das Vertriebsteam von OpenAI.

Damit steht die Frage im Raum: müssen wir da jetzt rein?

Wer die Anzeigen überhaupt sieht

Nur Nutzer der kostenlosen Fassung und des günstigen Go-Tarifs. Wer Plus, Pro, Business oder Enterprise bezahlt, bekommt keine Werbung zu sehen.

Das ist die erste Angabe, die Sie brauchen, und sie steht in keiner Werbebroschüre. Wer beruflich viel mit solchen Werkzeugen arbeitet, zahlt irgendwann dafür. Sie erreichen also die Breite und nicht unbedingt die Leute, die den ganzen Tag damit arbeiten.

Was über den Nutzer bekannt ist und was nicht

Ausgewählt wird eine Anzeige nach dem laufenden Gespräch, der ungefähren Region, der Tageszeit und dem Gerät. Frühere Unterhaltungen und gespeicherte Notizen bleiben ausdrücklich draußen. Genauer wird es nur, wenn der Nutzer ausdrücklich zustimmt.

Für den Datenschutz ist das eine gute Nachricht. Für Sie als Werbetreibenden ist es erst einmal eine schlechte. Sie kaufen einen Zusammenhang, keine Zielgruppe. Wer die feinen Einstellungen anderer Plattformen gewohnt ist, wird sich wundern, wie grob es hier zugeht.

Die Messung reicht bis zum Formular

Es gibt einen Zählpixel und eine Schnittstelle für Abschlüsse, dazu Produktdaten, Regionen und eigene Listen. Ob Sie dafür Ihre Kundenliste hochladen dürfen und was dabei mit den Adressen geschieht, steht in Können wir unsere Kundenliste für Werbung in ChatGPT nutzen?. Abgerechnet wird pro Klick.

Bis zum ausgefüllten Formular können Sie also messen. Danach hört es auf, und genau danach beginnt bei erklärungsbedürftigen Leistungen die eigentliche Strecke. Wenn zwischen der ersten Anfrage und der Unterschrift Monate liegen, sagt Ihnen eine Klickstatistik wenig darüber, ob sich die Sache gerechnet hat. Wie lang diese Strecke bei Ihnen ist, steht in Wie lange dauert bei Ihnen ein Ja?.

Woran Sie in einem Jahr merken, ob es sich gelohnt hat

An nichts, wenn Sie jetzt nichts vorbereiten.

Bevor Sie den ersten Euro ausgeben, sorgen Sie dafür, dass an jeder Anfrage haften bleibt, woher sie kam, und dass diese Herkunft am fertigen Auftrag noch dransteht. Das ist keine Frage der Werbung, sondern eine Frage Ihrer Ablage, und sie kostet Sie einen Nachmittag.

Wer das nicht hat, bekommt am Jahresende dieselbe Auskunft wie bei jedem anderen Kanal: eine schöne Auswertung und keine Antwort. Das gilt für Google Ads genauso, und die Seite, auf die die Anzeige führt, entscheidet mit, siehe Eine Seite, zwei Aufgaben. Das Ergebnis? Ernüchternd..

Was die ersten Wochen zeigen

Nachtrag vom 23. September. OMR hat deutsche Werbetreibende nach ihren ersten Erfahrungen gefragt, nachzulesen in Deutsche Marketer über ChatGPT Ads. Die Antworten gehen weit auseinander.

Ein Performance-Marketer hat für einen IT-Dienstleister rund 10.000 Dollar eingesetzt: wenige Klicks, kaum Anfragen. Er vermutet, dass die Entscheider, die er erreichen wollte, einen bezahlten Zugang haben und deshalb gar keine Werbung sehen. Das ist genau die Lücke aus dem ersten Abschnitt. Bei einer zweiten Kampagne meldete das Reporting 36 ausgefüllte Kontaktformulare. Tatsächlich kamen in dieser Zeit zwei Anfragen herein, und keine davon über ChatGPT.

Criteo, über dessen Plattform sich die Anzeigen ebenfalls buchen lassen, berichtet dagegen von zwei- bis dreimal höheren Klickraten als in vergleichbaren Umfeldern, vor allem bei Reisen, Möbeln und Unterhaltungselektronik. OpenAI selbst sagt, der Anzeigenmanager sei noch in der Testphase.

Daraus folgt ein Handgriff, der für jeden Kanal gilt. Legen Sie für einen Monat die Zahl der Anfragen, die eine Plattform meldet, neben die Anfragen, die mit Namen und Nachricht wirklich bei Ihnen angekommen sind. Das dauert eine halbe Stunde. Weichen beide Zahlen voneinander ab, sagt jede Auswertung auf dieser Grundlage nichts, so schön sie auch aussieht.

Wer jetzt einsteigen sollte

Wenn Sie an viele Menschen verkaufen, die Entscheidung schnell fällt und Sie die Herkunft sauber führen: ja. Der Kanal ist jung, die Preise sind noch nicht hochgeboten, und Sie lernen ihn kennen, bevor es alle tun. Welche der etablierten Plattformen zu welcher Lage passt, steht in Google, Meta oder LinkedIn: Welche Werbeplattform passt zu welchem Betrieb?.

Wer besser wartet

Wenn Ihre Kunden eine Handvoll Entscheider in einer Nische sind. Für Sie ist ein einziges gutes Gespräch mehr wert als zehntausend Einblendungen, und dafür gibt es hier im Moment keine Einstellung.

In beiden Fällen gilt: klein anfangen. OpenAI liegt mit diesem Geschäft bei etwa einer Milliarde Dollar im Jahr statt der geplanten zweieinhalb. Wo eine solche Lücke steht, wird an den Regeln noch geschraubt, und das trifft dann auch Ihre Kampagne.

Häufige Fragen

Seit wann gibt es Werbung in ChatGPT in Deutschland?

Seit dem 24. August 2026, zusammen mit dreißig weiteren europäischen Märkten. Seit dem 1. September können Werbetreibende ihre Kampagnen auch selbst buchen.

Wer bekommt die Anzeigen zu sehen?

Nur Nutzer der kostenlosen Fassung und des günstigen Go-Tarifs. Die Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Education bleiben werbefrei.

Wie genau lässt sich eine Zielgruppe einstellen?

Vorerst grob. Ausgewählt wird nach laufendem Gespräch, ungefährer Region, Tageszeit und Gerät. Frühere Unterhaltungen und gespeicherte Notizen werden ausdrücklich nicht verwendet.

Kann ich messen, ob sich die Werbung rechnet?

Bis zum ausgefüllten Formular ja, über einen Zählpixel und eine Schnittstelle für Abschlüsse. Was danach über Monate bis zum Auftrag passiert, müssen Sie selbst festhalten. Erste Tests zeigen, dass die gemeldeten Zahlen nicht immer stimmen: In einem Fall standen 36 gemeldete Formulare zwei echten Anfragen gegenüber, und keine davon kam über ChatGPT.

Für wen lohnt sich der Einstieg jetzt schon?

Für Anbieter mit vielen Kunden und kurzer Entscheidungsstrecke. Wer wenige Entscheider in einer Nische bedient, wartet besser, dafür ist die Einstellung zu grob.

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