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Der Kanal gehört Ihnen nicht

· von Alvaro Moreno

Heller Empfangsbereich eines Büros am Vormittag mit Sitzgelegenheit, Pflanze und offener Tür zum Flur

Weil Sie auf fremdem Grund arbeiten. Wer Interessenten über Messenger und Kurzvideos sammelt, baut seine Kontakte in einem Haus auf, dessen Regeln jemand anderes schreibt und jederzeit ändern kann. Das ist kein Grund, es zu lassen, aber einer, es anders zu tun.

Vor ein paar Jahren war das Argument einfach: Da sind die Leute, also gehen wir dahin. Für den Messenger stimmt das bis heute, für Kurzvideos oft auch.

Der Haken liegt woanders.

Sie bauen auf fremdem Grund

Ihre Kontakte in einem sozialen Netzwerk gehören nicht Ihnen. Sie gehören dem Netzwerk. Sie dürfen sie ansprechen, solange die Regeln des Hauses es erlauben, und diese Regeln ändern sich, ohne dass jemand Sie fragt.

Ich habe Betriebe gesehen, die über Jahre eine ansehnliche Gefolgschaft aufgebaut haben und nach einer Umstellung nur noch einen Bruchteil davon erreichten. Es war niemand böswillig. Es war einfach nicht ihr Grundstück.

Was der Datenschutz daraus macht

Dazu kommt die rechtliche Seite, und die ist unbequemer, als es die meisten wahrhaben wollen.

Wer über einen Messenger Interessentendaten sammelt, muss sagen können, welche Daten dabei wohin fließen. Bei Diensten, deren Anbieter außerhalb Europas sitzen, ist das nicht mit einem Satz erledigt. Wer eine Telefonnummer bekommt, hat damit auch eine Verantwortung übernommen.

Das ist der Grund, warum viele Betriebe hier zögern, und ich verstehe das Zögern.

Was ich stattdessen empfehle

Nutzen Sie diese Kanäle, aber behandeln Sie sie als Vorzimmer, nicht als Wohnung.

Im Vorzimmer findet der erste Kontakt statt. Das ist der Zweck, und dafür sind sie gut, denn sie sind schnell und die Hemmschwelle ist niedrig. Aber der Kontakt muss von dort in Ihr eigenes Haus.

Ihr eigenes Haus heißt: eine Adresse, die Ihnen gehört, mit einer Einwilligung, die Sie belegen können, in einem System, auf das Sie Zugriff haben, auch wenn morgen ein Konto gesperrt wird.

Die Frage, an der es sich entscheidet

Stellen Sie sich vor, Ihr Zugang zu dem Netzwerk wäre morgen weg. Kein Drama, keine Schuld, einfach weg.

Wie viele Ihrer dort gewonnenen Kontakte könnten Sie danach noch erreichen?

Wenn die Antwort niedrig ausfällt, haben Sie keine Kontakte aufgebaut. Sie haben Reichweite gemietet.

Der praktische Weg

Der Übergang vom Vorzimmer ins Haus muss leicht sein und einen erkennbaren Nutzen haben. Niemand gibt seine Adresse her, damit Sie ihn besser verwalten können.

Was funktioniert, ist ein konkreter nächster Schritt: eine Terminbestätigung, ein Angebot, eine Übersicht, die jemand wirklich braucht. Was nicht funktioniert, ist die Bitte um Kontaktdaten ohne Gegenwert.

Und noch etwas, das oft vergessen wird: Der Übergang muss auch für den funktionieren, der ihn bedient. Wenn Ihre Leute den Kontakt von Hand aus dem Messenger in ein anderes System tippen müssen, geschieht es an lebhaften Tagen nicht. Dann steht die schönste Strategie auf dem Papier und der Kontakt bleibt im Vorzimmer.

Häufige Fragen

Sollen wir Messenger und soziale Netzwerke also meiden?

Nein. Sie sind schnell und die Hemmschwelle ist niedrig. Behandeln Sie sie nur als Vorzimmer und nicht als Wohnung: Der erste Kontakt findet dort statt, danach muss er in Ihr eigenes Haus.

Was heißt hier eigenes Haus?

Eine Adresse, die Ihnen gehört, mit einer belegbaren Einwilligung, in einem System, auf das Sie auch dann Zugriff haben, wenn morgen ein Konto gesperrt wird.

Wie prüfe ich, wie abhängig wir sind?

Nehmen Sie an, Ihr Zugang wäre morgen weg. Wie viele der dort gewonnenen Kontakte könnten Sie noch erreichen? Fällt die Antwort niedrig aus, haben Sie Reichweite gemietet.

Wie bekommen wir Leute vom Messenger in unser System?

Über einen konkreten nächsten Schritt mit erkennbarem Nutzen, etwa eine Terminbestätigung oder ein Angebot. Die bloße Bitte um Kontaktdaten ohne Gegenwert wird ignoriert.

Was ist der häufigste Fehler dabei?

Der Übergang wird nur für den Kunden gedacht und nicht für die eigenen Leute. Wer Kontakte von Hand übertragen muss, tut es an lebhaften Tagen nicht.

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